Das große Interview mit Silvio Z.

Geschichten erzählen mit Spaß

 

Danke, dass du dir Zeit nimmst. Gleich zuallererst: Warum nennst du dich Silvio Z.?

Danke, dass ich die Gelegenheit erhalte. Unter meinem Vollnamen Silvio Zimmermann veröffentliche ich meine Fachbücher, biete ich meine Kurse an. Mit Silvio Z. veröffentliche ich alle Romane.

 

Was ist die Herausforderung bei deinen Werken?

Immer eine Neue. Beim Erstling DIE ERBSCHAFT ging es darum, einen Krimi, der abseits der gängigen Geschichten handelt, zu schreiben. Nicht Gut gegen Böse, sondern so richtig böse. Beim nächstfolgenden Krimi VERSENKT war es mir wichtig, dass er ganz Nahe an der Realität handelt. So kommen fast nur Protagonisten vor, die es im richtigen Leben gibt, die mit ihren Erlebnissen Teil davon sind. Auch sonst ist es ein Werk, welches nahe am Leben bleibt. Das darauf folgende Werk VERBRANNT ist als unabhängige Fortsetzung in der Gegenwartsform geschrieben, was der Geschichte einen völlig neuen Spannungsbogen verleiht. Wer mich und mein Leben kennt, weiß, dass auch hier viele Wahrheiten darin verpackt sind.

 

Ist es eine Fortsetzung von „VERSENKT“?

Jein – es ist ein in sich abgeschlossener Roman, der sich an die Zeit nach VERSENKT anlehnt und eine neue Geschichte mit teilweise den selben Protagonisten ist. Es schadet natürlich nicht, wenn man VERSENKT schon kennt. Es kann aber auch danach gelesen werden (Augenzwinkern).

 

Die Erotik kommt darin auch nicht zu kurz.

Das ist richtig, gehört doch die Erotik zum Leben, wie das Essen und Trinken. Für jene, die diese Teile nicht lesen mögen, sind sie kursiv gesetzt und wer nur diese Teile lesen will, findet sie dadurch auch. Dies gilt für beide Werke.

 

Danach gibt es weitere Krimis?

Im Moment sicher nicht. Nach VERBRANNT ist mir eine andere Geschichte zugeflogen, die ich der Aktualität willen vorgezogen habe. Es handelt von Flüchtlingen und Agenten auf der Ostroute und was da sonst noch so abgeht. Insgesamt eine ganz andere Geschichte, kein Kriminalroman, eher ein politisch angehauchter Thriller, auch wenn die aktive Politik nur eine beschränkte Rolle spielt. Auf diese Geschichte bin ich während des Recherchierens für ein nächstes Projekt gestoßen.

 

Tönt interessant, kannst du mehr darüber erzählen?

Wenn du die erste Seite gelesen hast, weißt du, warum ich es geschrieben habe. Er heißt als Erstausgabe FLÜCHTLINGSWAFFEN und ist auch in der Entstehungsart etwas Besonderes. Eine Seite lesen und dann kannst du dir dein eigenes Bild davon auf meiner Homepage www.silvioz.ch machen. Durch die besonderen Umstände, wie es zu diesem Buch kam, wird es ab 2018 nur noch als DER AGENT auf dem Markt sein.

 

Wie kommt ein Krimiautor dazu, danach ein nicht-kriminalistisches Werk wie »DER SCHLAMP« zu schreiben?

Das Projekt DER SCHLAMP habe ich schon lange vor mir hergeschoben. Es ist eine Abrechnung mit mir und eine Spurensuche nach Beweggründen für das Handeln in meinem Leben. Es ist, wie immer, wenn ich etwas in Angriff nehme, etwas Neues für mich und während dem Schreiben kamen noch für mich wichtige Erkenntnisse über mein Leben dazu. Noch eine Anmerkung zu deinem Begriff Autor. Ich nenne mich nicht Autor oder Schriftsteller, sondern Geschichtenerzähler.

 

Das heißt?

Ich schreibe die Texte, mache die Covers selbst und vertreibe die Bücher auch selbst. Das ist auch ein Teil, der Abwechslung bringt und mir Freude macht und – ich mache das als Hobby und helfe nebenbei Anderen, auch ihre Werke veröffentlichen zu können. Und ich erzähle gerne Geschichten - darum Geschichtenerzähler. Ich will nicht hochstehende Texte veröffentlichen, sondern Geschichten, die den Leser auf eine Reise mitnehmen. Ich suche deshalb auch keinen Verlag, sondern möchte immer völlig unabhängig spannende und abwechslungsreiche Geschichten erzählen.

 

… und nach den Krimis und dem Schlamp?

Auch für die Zeit nach den Krimis habe ich mir ein paar neue Herausforderungen gestellt. Eines dieser Projekte ist „2045 – EIN RÜCKBLICK“. Davor ist noch Zeitreiseabenteuer, welches TORTURA heißt, auf den Markt gekommen.

 

Kannst du schon mehr über diese Bücher sagen?

2045 ist ein Blick auf die Welt von gestern, heute und morgen. Ich schreibe diesen Text aus der Sicht im Jahre 2045 aus einem Gefängnis in Südamerika heraus. Darin erkläre ich einem jungen Mitgefangenen, was in den letzten rund hundert Jahren auf der Welt warum schief gelaufen ist. Einerseits ist es ein hart mit den Schuldigen an der heutigen Situation zu Gericht gehendes Geschichtsbuch, also so von 1948 bis heute und ein mögliches Szenario von heute bis 2045.

TORTURA ist ein Zeitreiseabenteuer, welches ich auf gut recherchiertem Leben im Mittelalter aufgebaut habe.

 

2045 - Ein politisches Werk?

Nein, ich würde sagen, ein weltgeschichtliches Werk, das mit der teilweise verlogenen Vergangenheit etwas aufräumt und bewiesene Tatsachen und Zusammenhänge der Geschichte nach dem Zweiten Weltkrieg aufzeigt und wohin dieser Weg noch führen kann. Die größte Herausforderung für mich ist es, das Material (vor allem neueste Dokumente, die die USA jetzt endlich freigegeben haben), in eine einfach zu lesende, spannende Geschichte zu spinnen und mit einer möglichen Zukunft zu verknüpfen, die den Leser fesseln soll.

 

Tönt hart.

Ja, aber ich möchte etwas Unterhaltendes schreiben und auch wieder in einer Form, die für mich neu ist. Die ideale Kombination habe ich noch nicht ganz gefunden, aber ein Drittel von dem, was ich mir vorstelle, ist im Kopf schon mal gemacht.

 

Dir wird es wohl nie langweilig?

Nein, bestimmt nicht und wie bei den Recherchen zu TORTURA oder 2045 lerne ich immer wieder viel Neues kennen.

 

Was macht dir am meisten Freude?

Es sind die speziellen Anlässe, die ich organisiere. Zum Beispiel die Wine, Dine, Crime and More. Da stelle ich meine neuesten Werke vor und erzähle vor allem von der Entstehungsgeschichte und den Zusammenhängen zwischen Wirklichkeit und Fiktion, begleitet von einem Mehrgänger. Ich nenne es bewusst Anlässe und nicht Lesungen, weil ich nicht nur dasitze und vorlese. Aber auch diese mache ich nicht zu häufig - es soll möglichst viel Freude machen und keine Fließbandarbeit sein.

 

Wo nimmst du die Ideen für deine Geschichten her?

Die verschiedenen Ideen fliegen mir zu. Das kann ganz unvermittelt sein, dass sich ein Gedanke ins Hirn setzt, der brauchbar ist, eine Begegnung, etwas Erlebtes oder Beobachtetes oder völlig aus der Fantasie geboren. In mir drin herrscht ein vielgeschichtliches Chaos, das sortiert und erzählt werden will. Aktuell bin ich auch an einem Projekt mit einem Partner, das aber noch nicht spruchreif ist - aber wieder eine völlig neue Herausforderung.

 

Hast du das Bücherschreiben durch Kurse oder Ähnliches gelernt oder bist du Autodidakt?

Es klingt vielleicht etwas pathetisch, aber ich denke, kein Kurs kann dir das Leben nahebringen. Ich glaube, Schreibschulen und Ähnliches können viele Fragen nach dem „Wie soll ich schreiben“ beantworten, aber die nach dem „Was soll ich schreiben“ bleibt offen. Einfach mit offenen Augen und Ohren hinaus ins Leben und ins Erleben gehen, beobachten, spüren und entdecken, scheint viel ergiebiger zu sein, zumindest war das mein Weg. Einfach machen und spannende, abwechslungsreiche Geschichten erzählen.

 

Du lebst und arbeitest in Unterägeri. Bist du Innerschweizer?

Nicht ganz, nur auf dem Papier. Aufgewachsen bin ich in Andeer, ein beschauliches Dorf mitten im Bündnerland aber auf den Papieren steht bei Heimatort: Vitznau und Neudorf, beides Ortschaften im Kanton Luzern. Mit etwa zwanzig habe ich mich dann für etwa dreißig Jahre an verschiedenen Orten im Zürcher Oberland niedergelassen, bevor ich vor etwa sechs Jahren in den Kanton Zug gezogen bin.

 

Handeln in diesem Fall deine Geschichten immer wieder auch an Orten, die du kennst?

Ja, es ist mir wichtig, zu wissen, wovon ich schreibe. So zum Beispiel auch TOTURA, welches in der von mir geliebten Umgebung der Toskana spielt.

 

Du veröffentlichst erst seit etwa 4 bis 5 Jahren, wie kommt das?

Das hat viel mit Lust, Zeit und Interessen zu tun sowie den heutigen Möglichkeiten, Bücher auf den Markt zu bringen. Meine ersten Arbeiten waren beruflicher Art, einmal ein Vorläufer des 2015 erschienenen DU BIST EINMALIG, welches ein reines Nutzenbuch für meine Kursteilnehmer ist, die ein solches Werk seit Jahren forderten – und ich dann einmal nachgegeben habe. So habe ich mich parallel sowohl meinen Geschichten wie auch Fachbüchern gewidmet. Etwas Werbung zwischendrin: auf www.silvioz.ch findet ihr eine Gesamtübersicht.

 

Nun noch eine Kurzfrage-/Antwortrunde:

Warum bist du bei keinem Verlag? Weil ich völlig unabhängig Geschichten erzählen will.

Hattest du schon ein Angebot von einem Verlag? Ja, aber dann müsste ich nur Krimis schreiben.

Warum willst du unabhängig sein? Weil ich mein Denken nicht einschränken lassen will.

Warum willst du nicht eingeschränkt sein? Weil ich eingezwängt weniger Freiraum habe.

Hast du so nicht weniger Möglichkeiten? Ich erhalte keine Unterstützung von sog. Stiftungen und Kulturfördervereinen, weil die einen Verlag voraussetzen, damit ich unterstützt werde.

Ist das kein Nachteil? Ja, aber nur ein finanzieller.

Was denkst du über solche Regeln? Ich sehe keinen Sinn dahinter, Geschichtenerzähler nur zu unterstützen, wenn sie schon von einem Verlag unterstützt sind – also finde ich diese Regel sinnlos, wie so einiges in einer überregulierten Umgebung.

Könnte es sein, dass du mal mit einem Verlag zusammen arbeitest? Nein, nicht solange ich Regeln befolgen muss, die mir sinnlos erscheinen und mich einschränken.

Ist das nicht etwas egoistisch betrachtet? Ja, aber ich bin der Einzige, der mein Leben lebt und meine Geschichten erzählen kann.

Deine nächsten Projekte? Eine Krimiserie mit einem Protagonisten "John Etter", genannt, der aus seinem Berufsalltag als privater Ermittler erzählt. Auch hier ist jeder Band einzigartig vom Inhalt her. Mal eher aus der Opfersicht erzählt, mal aus der Ermittlersicht.

Tönt schon wieder spannend. Möchtest du uns sonst noch etwas erzählen?

Ich denke, ich habe schon eine Menge erzählt – alles, was ich noch sagen könnte, steckt in meinen Geschichten, den bisher erschienenen und den folgenden Büchern. Aber eine Leidenschaft gibt es noch, auf die ich nochmals hinweisen möchte: Ich helfe anderen Menschen gerne dabei, ihr eigenes Buch zu entwickeln und habe das auch schon öfters gemacht. Es ist für mich wie bei einer Geburt dabei zu sein und macht mir viel Freude. Wer von den Lesern also seine eigene Geschichte als Buch in Händen halten will – einfach bei mir melden – es ist günstiger als die meisten denken.

 

Vielen Dank für das Interview, Silvio. Ich wünsche dir weiterhin viel Erfolg mit deinen Büchern.

Danke für deine Zeit.

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